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Tatsachen und Bewertung: Fahrner Image Replacement
Autor: Joe Clark
Alistapart Ausgabe: 160

Die Entwicklung der Fahrner Image Replacement Technik und Ihrer Entsprechungen verläuft schneller als der Fall der Berliner Mauer. Dieser Artikel liefert einige sehr notwendige empirische Daten darüber, wie FIR tatsächlich mit Vorleseprogrammen funktioniert.

Benannt nach Todd Fahrner, anscheinend von C.Z. Robertson erfunden und bekannt gemacht durch Douglas Bowman (siehe seine Site für die vollständige Beschreibung des Quelltexts) und Jeffrey Zeldman's Designing with Webstandards, ist FIR eine Standardkonforme Technik, die Stylesheets und gewöhnliches HTML einsetzt, um ein sichtbares Bild darzustellen, meistens aus Text bestehend. Durch CSS legt der Designer fest, daß das Bild in der Regel angezeigt wird, sollte es aus irgendeinem Grund nicht angezeigt werden, hat der zugrunde liegende strukturelle HTML Auszeichnungstext seinen Platz einzunehmen.

Mit FIR wird es möglich, Titelzeilen und andere Designelemente ansprechend zu beschriften, ohne komplizierteres HTML als <span> innerhalb von <h1>. Der reine HTML Text ist durch die Stylesheet Deklaration display:none verborgen (im Prinzip zumindestens, wäre visibility:hidden ebenfalls möglich). Die Textgrafik wird als CSS Hintergrundbild dargestellt.

Die Vorteile liegen hier meistens in einer ansprechenden grafischen Gestaltung und einem Quelltext, der etwas eleganter ist, als <h1><img alt="">, dies wäre so ziemlich die einzige Alternative, wenn Sie z.B. eine Grafik als Überschrift einsetzen möchten. Da es keine Grafik mit einer Überschrift verschachtelt, ist FIR zumindestens oberflächlich zugänglicher.

Screenreader

Wie in einem früheren Artikel für A List Apart bereits erklärt, sind Screenreader Programme, die Webseiten und meistens auch alles andere auf ihrem Computer vorlesen. Sie machen einen Computer für blinde oder ernstlich sehbehinderte Menschen, auch von Menschen mit Lernbehinderungen wie Dyslexie werden sie gelegentlich benutzt. Sie stellen eine Form adaptiver Technologie dar - Soft- oder Hardware, entwickelt, um einen Computer für Behinderte zugänglicher zu machen.
Die führenden Screenreader sind:

Stylesheet Interpretierung

Beim Fahrner Image Replacement werden typischerweise zwei CSS Techniken eingesetzt, allerdings bezieht sich nur eine auf visuelle Gestaltung. Dies gilt, auch wenn sich beide von visuellen, nicht auditiven, CSS Medientypen herleiten.

Unser Schreckgespenst hier ist display:none. Die W3C Spezifikation legt fest:

Dieser Wert sorgt dafür, daß ein Element keine Kastenbildung in der Formatstruktur bewirkt (.d.h., das Element hat keinen Einfluß auf das Layout). Auch Kindelemente bewirken keine Kastenbildung; dieser Umstand kann auch nicht durch das Setzen der "display" Eigenschaft für die Kindelemente aufgehoben werden.
N.B: display:none (keine Darstellung) schafft nicht etwa einen unsichtbaren Kasten, es wir überhaupt kein Kasten gebildet.

Deswegen bedeutet display:none wirklich manifestierung:keine oder eliminierung:total. Ein Objekt mit der Zuweisung display:none löscht sich selbst aus.

Eine weitere Option ist ebenfalls möglich: visibility:hidden, die Spezifikation erläutert: "der erzeugte Kasten ist unsichtbar (vollkommen transparent) aber er beinflußt dennoch das Layout".

Die visuelle Unterscheidung ist also die zwischen Nichtexistenz und einem leerem, eine Begrenzung bildenden Kasten. Wie sollen Screenreader dies handhaben?

Screenreader im Anwendungstest

Ich kann die Frage nicht beantworten, aber Dank einiger Tests durch mehrere Anwender kann ich jetzt schildern, wie Screenreader die Aufgabe derzeit meistern.

Ich bat mehrere Bekannte über einige Mailing Listen (WAI Interest Group, UVIP-Web-Test)
zu versuchen, mit jedem nur erreichbaren Screenreader FIR-kodierten Text zu lesen.

Der Testfall war die eher schlichte Intro-Seite für Ten Years Ago in Spy, mein Lobgesang auf das mittlerweile eingestellte Satiremagazin, welches Matt Mullenweg kürzlich mit CSS und Fahrner Image Replacement umgeschrieben hat. Zwei Grafiken auf dieser Seite wurden über FIR dargestellt. Ich hatte vorher gewöhnliche img Elemente eingesetzt.

Resultate

Ich habe zwei Testseiten geschrieben:

Ich konnte Anwender finden für: Drei Versionen von Jaws,Windows Eyes, Homepae Reader und einem weiteren Produkt, Hal. Resultate konnte ich ebenfalls bekommen für das nicht mehr weiterentwickelte Outspoken für Macintosh.

Die Ergebnisse sind beunruhigend.

Produkt display: none visibility: hidden
Hal version 5.20 wird nicht vorgelesen wird vorgelesen
IBM Home Page Reader 3.02 wird nicht vorgelesen wird nicht vorgelesen
Jaws (4.02, 4.50, 5.0 beta) wird vorgelesen wird vorgelesen
OutSpoken 9 wird nicht vorgelesen wird nicht vorgelesen
Window-Eyes 4.2 wird nicht vorgelesen wird nicht vorgelesen

Analyse

Es scheint offensichtlich, daß kein mit der CSS Eigenschaft display:none ausgezeichnetes Element durch irgendein Hilfsmittel in irgendeiner Modalität dargestellt, vorgelesen oder überhaupt irgendwie manifestiert werden sollte. HAL, IBM, Home Page Reader sowie Outspoken verhalten sich dieser Interpretation konform, Jaws tut das nicht.

Es scheint außerdem so, daß kein mit der CSS Eigenschaft visibility:hidden ausgezeichnetes Element durch irgendein Hilfsmittel, ob visuell oder nicht (d.h. ein Browser mit grafischer Anzeige oder ein Screenreader) gelesen werden sollte. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Stylesheet Deklarationen ist die Auswirkung auf das gerenderte Layout, welches ein Browser befolgen müßte, ein Screenreader aber aber theoretisch ignorieren könnte. (Erinnern Sie sich an den Unterschied zwischen display:none, welches kein Raum beansprucht und visibility:hidden, bei welchem dies der Fall ist)

Eine Ausnahme könnte es darstellen, wenn ein CSS-Container, der mit der Eigenschaft visibility:hidden versehen ist, die Lesereihenfolge oder einen anderen Umstand verändert, welcher in sequentieller, auditiver Wiedergabe wahrnehmbar wäre; in diesem Fall könnte ein Screenreader seine Sprachausgabe in irgendeiner Weise ändern. Vielleicht fallen einige Anwendungen von FIR in diese Kategorie. Wir bräuchten einige Testseiten, um diese Theorie zu prüfen.

Jedenfalls scheint es, daß, bis auf wenige Ausnahmen, kein Screenreader mit Fahrner Image Replacement zurecht kommen sollte. Auf den Umstand, daß das marktbeherrschende dieser Programme, Jaws, und das weniger verbreitete Produkt HAL, tatsächlich FIR verstehen, sollten wir uns auf Dauer nicht verlassen.

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CSS Verbessern

Eine wenig bekannte Option von Jaws, Window Eyes und Home Page Reader besteht in der Fähigkeit zur Synchronisation zwischen der Sprachausgabe und entweder der Bildschirmanzeige (den Bildschirm scrollend und/oder Abschnitte hervorhebend, während sie gelesen werden) oder Braille oder beiden.

Die verbreiteten Screenreader sind also multimodale Hilfsmittel. Sie stehen eindeutig im Widerspruch zu den aktuellen CSS Medien-Typ Definitionen, denn ihr Verhalten ist multimodal, wofür die existierenden Medien-Typen screen, aural, und braille nicht wirklich geeignet sind. Es ist vielleicht Zeit für einen neuen Medien-Typ, der für die Screenreader, die heute benutzt werden, verpflichtend wäre - einer der klar vorgeben würde, wie ein System, daß Braille anzeigt, vorliest und ausgibt, tatsächliche CSS Definitionen handhabt.

Ich schlage an dieser Stelle vor, daß das World Wide Web Konsortium davon Abstand nimmt, seinen Fehler mit embed, einem weit verbreitetem und immer noch unterstütztem Element, welches nie in die (X)HTML Spezifikationen aufgenommen wurde, zu wiederholen. Das multimodale Verhalten aktueller Screenreader sollte explizit in die CSS Spezifikationen aufgenommen werden, auch wenn daß ihre Erweiterung bedeutet.

Dies ginge auch ohne die existierende Definition umzustürzen, die ja schon besagt: "Medien-Typen schließen sich gegenseitig aus in dem Sinn, daß ein user agent beim rendern eines Dokuments nur einen Medien-Typ unterstützen kann. User agents können jedoch verschiedene Modi haben, welche unterschiedliche Medien-Typen unterstützen". Es wird wohl nicht so schwer sein, diese Definitionen so zu erweitern, daß multimodale Ausgabe ermöglicht wird.

Mit einem Medien-Typ, der Bezug nimmt zum tatsächlichen Verhalten gebräuchlicher Screenreader, hätten wir eine bessere Ausgangsbasis für die Forderung an die Hersteller von Sceenreadern, CSS Spezifikationen einzuhalten. Eine ausführliche Diskusssion darüber würde, das ist wohl klar, einen separaten Artikel erfordern.

Keine zugängliche Technik

Leider kann FIR nicht als behindertenfreundliche Web-Technik angesehen werden wenn sie für Text verwendet wird . Benutzer von Screenreadern können entweder bereits jetzt so aufbereiteten Text nicht lesen oder sie werden es in Zukunft nicht können, wenn die Programme aktualisierte sein werden, um CSS korrekt zu interpretieren. Andere Behinderte werden möglicherweise nie dadurch Nachteile erleiden und viele werden dadurch ebenso wie Nichtbehinderte profitieren, da viele Behinderte im Netz normalsichtig sind und attraktive Websites gerne sehen. Aber wir können Screenreader nicht von unserem Konzept der Behindertenfreundlichkeit ausnehmen.

Deswegen sollten Standardkonform arbeitende Designer FIR nur für Bilder einsetzen, die man "nichtsemantisch" nennen könnte, d.h. nicht bedeutsam. Hintergrundkacheln sind ein Beispiel, ebenso ein Firmenlogo, welches irgendwo nahebei in reiner Textform wiedergegeben wird (möglicherweise als Überschrift). Setzen Sie ihren gesunden Menschenverstand ein.

Hilfe für Entwickler

Dieser Fall einer standardkonformen Technik, vorangebracht durch sehr talentierte Entwickler, welche trotzdem auf einen Eisberg trifft und sinkt, wen es um Behindertenfreundlichkeit geht, hat wenigstens den Vorteil, daß einige zu beseitigende Defizite zur Sprache kommen. Insbesondere:

Danksagung

Glossar: 
Fahrner Image Replacementwörtlich: Fahrner Bild-Ersetzung
ZugänglichkeitAccessibility(eng.): hier in Bezug auf Blinde, Sehbehinderte und deren Darstellungs- und Leseprogramme
screenreaderVorleseprogramme
user agenthier: jedes Programm, daß HTML interpretiert
rendernQuelltext einlesen und grafisch darstellen


Der Journalist, Autor und Accessability Consultant Joe Clark aus Toronto schrieb das Buch Building Accessible Websites, nimmt aber an, das A list Apart Leser das mittlerweile wissen.

Originaladresse: www.alistapart.com/articles/fir/
Alistapart Diskussionsforum (englisch): www.alistapart.com/discuss/fir/

Translated with the permission of A List Apart Magazine and the author[s].

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